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der bauherr/auftraggeber sollte frühzeitig für sich festlegen, welchen bedarf er hat.

der architekt ermittelt methodisch über eine bedarfsplanung (DIN 18205) bedürfnisse und umsetzung.

architektur

für den bauherrn/auftraggeber stellt sich zuerst die frage: "wie den richtigen architekten finden?". branchenverzeichnisse, internetrecherchen oder "gesehenes" geben noch keinen aufschluss darüber, ob man auch miteinander "kann". erst im persönlichen gespräch kristallisiert sich heraus, ob man sich vertraglich aneinander binden möchte.


zumal vorher oft auch das vorurteil überwunden werden muss, mit dem architekten zu bauen sei teurer, als mit einem bauträger oder gu (generalunternehmer). entgegen vollmundiger werbeaussagen lässt sich statistisch belegen, dass es nicht so ist. es gibt daher gute gründe mit dem architekten zu bauen

individuelle planung

eine individuell geplante immobilie kostet nicht mehr als ein gebäude "von der stange". auf wunsch des bauherren oft großzügiger geplant, ist der endpreis nicht der einzige massstab, wenn man berücksichtigt, dass baunebenkosten (bis zu 20% der baukosten) oft nicht im festpreis enthalten sind.

arbeitsersparnis

"schlüsselfertigbau" spart nur vordergründig aufwand oder arbeit. nur dann, wenn nicht hinterfragt wird, ob der preis für eine leistung gerechtfertigt ist, ob für gleiches geld etwas besseres zu bekommen gewesen wäre und nicht von interesse ist, ob die bauprodukte die ansprüche an ihre wertigkeit erfüllen. der architekt als sachverwalter übernimmt die verantwortung hierfür, so individuell, wie es sein bauherr wünscht.

unabhängigkeit

im gegensatz zu rahmenvertägen für das angepriesene "bauen aus einer hand" ist der architekt unabhängig von herstellern, ausführenden und produkten. das ist essenziell für preiswürdige, sachgerechte und transparente lösungen im sinne des bauherren.

planungskosten

planungskosten, die vom architekten transparent ausgewiesen werden, fallen auch bei gu oder bauträger an. umfang und inhalt sind dort nur nicht klar deffiniert. der gesetzgeber regelt das in der HOAI (honorarordnung für architekten und ingenieure), da er bei den architektenleistungen keinen preiswettbewerb duldet.

fachliche überwachung

die bauüberwachung aus leistungsphase 8 hat eine anteil von 32% am honorar des architekten. das bedeutet, dass er rund ein drittel seiner arbeit für die überwachung der bautätigkeit aufwendet. der gu wirbt gerne damit, diese leistungen zur qualitätskontrolle, zeitplanüberwachung, mängelbeseitigung oder abrechnung würden bei ihm nicht anfallen. intern entstehen diese kosten jedoch auch bei ihm. was die frage aufwirft, wer eigentlich den gu dahingehend überwacht, dass diese leistungen im erforderliche umfang korrekt erbracht werden.

einfluß auf ausführende firmen

bauträger oder gu gewähren meist keinen einfluss auf die auswahl der handwerker, auf fabrikate oder qualitäten. wenn überhaupt, dann nur in sehr engem rahmen und oft mit mehrpreis verbunden. den umstand, dass es dabei oft nur auf den preis ankommt, kennt der architekt nicht.

qualität

qualität beginnt bei der leistungsbeschreibung. eine typische, häufig verwendete formulierung wie "hochwertige fliese, weiss" ist bestenfalls eine funktionale zustandsbeschreibung, hat aber nichts mit qualität zu tun. das werten von vergleichsangeboten ist nicht möglich und vom bauträger auch nicht gewollt. er strebt im rahmen seiner gewinnmaximierung als unternehmer danach, produkte möglichst kostengünstig zu beschaffen, die seiner beschreibung gerecht werden und die gewährleistungszeit überstehen. auf die qualifikation des subunternehmers, der die produkte einbaut, hat der bauherr ebenfalls keinen einfluss.

stellung des architekten als sachverwalter

der architekt ist ein treuhänder des bauherren, der nach den grundsätzen der freien berufe unabhängig agiert. er berät unabhängig z.b. zur entwicklung des gebäudes, zum wirtschaftlich und fachlich geeigneten bauunternehmer, zu geeigneten bauweisen und bauprodukten. weiter stellt er die einwandfreie bauausführung sicher und vertritt die interessen des bauherrn gegenüber den handwerkern. im gegensatz zum architekten, der bei der ausübung seiner tätigkeit nicht nach gewinn strebt, ist ein bauträger oder gu nicht als treuhänder oder sachverwalter zu bezeichnen (urteil des landesberufsgericht baden-württemberg v. 08.03.1988)

preiswürdigkeit der bauleistung

jeder generalunternehmer muss auf das angebot eines handwerkers noch zuschläge aufrechnen: für einholung und prüfung von angeboten, für aufwand zur bauüberwachung, für sein risiko im haftungsfall und einen zuschlag für seinen gewinn. wie bei einem zwischenhändler ergibt sich also die situation, dass ein produkt, vorausgesetzt es ist gleichwertig, deutlich teurer wird, als bei der direktabnahme vom hersteller. im bausektor liegt diese systembedingte verteuerung im bereich von 6 - 18 %.

risiko

für die zusammenarbeit mit einem freien architekten spricht das deutlich überschaubarere finanzielle risiko. gerät ein gu in finanzielle schwierigkeiten oder meldet insolvenz an, ist über die gesellschaftsform mit beschränkter haftung fast immer keine kostendeckung mehr vorhanden und überzogene vorauszahlungen sind ebenfalls verloren. was auch für die gewährleistung gilt und bedeutet, dass die beseitigung von mängeln aus eigener tasche bezahlt werden muss. im durchschnitt hat jeder fünfte bauherr mit den folgen einer insolvenz zu kämpfen, wobei die mittlere schadenssumme bei 15.000,- € liegt. auch mit architekt kann eine insolvenz nicht ausgeschlossen werden. diese trifft dann allerdings meist nur einzelgewerke, kostet auch zeit und nerven, bleibt jedoch sehr begrenzt, da im regelfall leistungsgerechte bezahlung vereinbart war.